Island‘s rauer Nordwesten
Vier Tage Wildnis in Hornstrandir – Auf der Suche nach dem Polarfuchs
27.06. – 30.06.2026
Es gibt Orte, an denen man fotografiert. Und es gibt Orte, die einen als Fotograf verändern.
Hornstrandir, im äußersten Nordwesten Islands, gehört zweifellos zur zweiten Kategorie. Vier Tage lang waren mein Fotokumpel Denis und ich in einer der letzten echten Wildnisregionen Europas unterwegs. Unser Hauptziel war klar definiert, den Polarfuchs in seiner natürlichen Umgebung zu beobachten und zu fotografieren. Gleichzeitig wollten wir die spektakulären Landschaften dieser abgelegenen Halbinsel festhalten, Fjorde, Wasserfälle, schwarze Strände und schroffe Berge.
Schon bei der Planung war klar: Diese Reise würde keine klassische Island-Rundreise werden. Hornstrandir erreicht man ausschließlich mit dem Boot. Es gibt keine Straßen, keine Ortschaften und keinen Handyempfang.
Nur Natur.
Die Anreise
Nach unserem Flug nach Island übernahmen wir unseren Mietwagen und machten uns auf den Weg in die Westfjorde. Bereits die Fahrt nach Ísafjörður war ein Erlebnis für sich. Die Straßen schlängelten sich entlang tiefer Fjorde, vorbei an Lupinenfeldern, Wasserfällen und steilen Berghängen.
Jeder Kilometer bot neue Motive und ließ die Vorfreude auf Hornstrandir wachsen.
Meine Fotoausrüstung bestand aus:
Nikon Z9
Nikkor Z 14–30 mm f/4
Nikkor Z 70–200 mm f/2.8
Insta360 GO Ultra Actionkamera für Behind-the-Scenes-Aufnahmen
Mit dieser Kombination fühlte ich mich für Landschafts- und Wildlife-Fotografie bestens vorbereitet.
Mit dem Boot in eine andere Welt
Von Ísafjörður brachte uns das Boot schließlich nach Hornstrandir.
Bereits während der Überfahrt wurde klar, wie abgelegen dieses Naturreservat tatsächlich ist. Hohe Berge ragen direkt aus dem Meer, Wasserfälle stürzen von den Klippen und zwischen den Fjorden gibt es keinerlei Straßen oder Siedlungen.
Als wir an Land gingen, begann das eigentliche Abenteuer.
Unser Zuhause für vier Tage
Unser Camp befand sich direkt neben einer kleinen Holzhütte, die im Sommer als Unterkunft für eine Rangerin dient.
Schon bei unserer Ankunft erfuhren wir eine besondere Nachricht:
Direkt neben der Hütte hatte sich eine Polarfuchsfamilie niedergelassen.
Natürlich bedeutete das nicht, dass wir die Tiere ständig zu Gesicht bekamen. Es blieb Wildnis, und die Füchse bestimmten selbst, wann und ob sie sich zeigten. Doch allein zu wissen, dass sie in unmittelbarer Nähe lebten, machte jede Beobachtung spannend.
Am Abend folgte allerdings die Ernüchterung.
Die Rangerin warnte uns eindringlich vor einem heranziehenden Tiefdruckgebiet. Für die kommende Nacht und den gesamten nächsten Tag waren Dauerregen und Sturmböen von bis zu 15 m/s angekündigt. Wir sollten darüber nachdenken, mit dem letzten Boot wieder zurückzufahren, wenn wir uns nicht sicher seien, dass unsere Zelte und wir dieses Tiefdruckgebiet aushalten würden.
Nach diesem Gespräch waren wir erstmals verunsichert, da wir nicht wirklich einschätzen konnten, wie viel 15 m/s in km/h sind. Von meinen Skandinavienreisen wusste ich, dass mein Zelt Windgeschwindigkeiten bis 50 km/h problemlos aushält. Das andere Zelt meines Kumpels sollte sogar noch mehr aushalten können. Außerdem hatten wir uns vor der Überfahrt über das Wetter informiert, das eigentlich gar nicht so schlecht werden sollte. Somit entschieden wir uns, auf dem Platz zu bleiben. Unsere geplante Wanderung musste allerdings verschoben werden.
Die Natur gab den Takt vor.
In der Nacht begann der Wind am Zelt zu rütteln. Was am Vorabend angekündigt wurde, traf genauso ein. Starker Dauerregen, heftige Windböen und die Berge verschwanden vollständig in den Wolken. An Wandern war nicht zu denken. Den gesamten Tag verbrachten wir größtenteils in unseren Zelten und hofften auf eine Wetterbesserung. Natürlich ist so ein Tag zunächst enttäuschend, wenn man nur vier Tage in Hornstrandir zur Verfügung hat. Im Nachhinein gehört aber genau dieser Tag zur Geschichte der Reise.
Wildnis bedeutet eben auch, akzeptieren zu müssen, dass das Wetter entscheidet und nicht der Fotograf.
Zwischendurch schauten wir immer wieder aus dem Zelt auf die Küste. Manchmal zeigte sich kurz einer der Polarfüchse. Dann verschwand er wieder im Regen.
Am späten Abend dann langsame Wetterbesserung.
Stille.
Der Wind hatte deutlich nachgelassen. Die Wolken rissen langsam auf, und erste Sonnenstrahlen fielen auf die Berghänge. Endlich konnten wir unsere geplante Wanderung zum Horn beginnen.
Mitten in der Nacht starteten wir unsere Wanderung. Der Weg führte zunächst durch einen Gletscherfluss, danach über grüne Hänge, vorbei an Wasserfällen und entlang spektakulärer Steilküsten. Immer wieder hielten wir an, um die ständig wechselnden Lichtstimmungen einzufangen. Nebel zog an der Steilküste empor, und kurze Sonnenfenster tauchten einzelne Berghänge in warmes Licht.
Ein Fuchsbau direkt an der Steilküste mit Blick auf das Meer machte diesen Moment einzigartig. Zwar ist dort kein gutes Foto entstanden, doch zu sehen, wie ein Babyfuchs mitten an der Klippe aus seinem Bau direkt auf das Meer blickte, war ein spektakulärer Anblick.
Genau diese Momente machen Island fotografisch so einzigartig.
Geduld wird belohnt
Wildlife-Fotografie besteht nur selten aus spektakulären Actionmomenten.
Sie besteht vor allem aus Warten.
Stundenlang beobachteten wir die Küste, saßen im Gras oder liefen langsam den schwarzen Strand entlang.
Dann war er plötzlich da.
Ein junger Polarfuchs tauchte zwischen Tang und Steinen auf. Neugierig blickte er in unsere Richtung, bevor er weiter den Strand erkundete.
Später konnten wir sogar beobachten, wie ein erwachsener Fuchs mit einem frisch erbeuteten Fisch aus dem Tang auftauchte. Für wenige Sekunden zeigte er seine Zähne, bevor er mit seiner Beute wieder verschwand.
Genau für solche Momente nimmt man lange Anreisen, schweres Equipment und viele Stunden des Wartens in Kauf.
Mehr als nur Tierfotografie
Natürlich waren die Polarfüchse der Hauptgrund unserer Reise.
Doch Hornstrandir beeindruckte uns mindestens genauso mit seiner Landschaft.
Schwarze Vulkanstrände.
Tiefe Fjorde.
Basaltklippen.
Wasserfälle, die scheinbar direkt aus den Wolken stürzten.
Und ständig wechselnde Wetterstimmungen.
Mal zog dichter Nebel über die Bergrücken, wenige Minuten später brach die Sonne durch die Wolken und tauchte die Landschaft in ein unglaubliches Licht.
Gerade diese Kontraste machen Hornstrandir fotografisch so einzigartig.
Vergänglichkeit in der Wildnis
Als ich diese Möwe am schwarzen Strand entdeckte, habe ich zunächst gezögert, die Kamera in die Hand zu nehmen. Doch genau solche Momente gehören zu Hornstrandir. Die Wildnis zeigt sich hier nicht nur in ihrer Schönheit, sondern auch in ihrer Ehrlichkeit. Leben und Vergänglichkeit liegen oft nur wenige Meter voneinander entfernt.
Hinter jedem Bild steckt eine Geschichte
Viele der gezeigten Fotos wirken ruhig und unberührt.
Was man auf ihnen nicht sieht:
Kilometerlange Wanderungen.
Nasse Kleidung.
Starker Wind.
Geduld.
Und manchmal einfach nur das Warten auf den richtigen Moment.
Besonders die Aufnahmen der Polarfüchse entstanden nicht zufällig. Wir respektierten stets den nötigen Abstand und beobachteten die Tiere ausschließlich in ihrem natürlichen Verhalten.
Genau das macht für mich gute Naturfotografie aus.
Nicht eingreifen.
Nicht beeinflussen.
Nur beobachten.
Vier Tage, die lange in Erinnerung bleiben
Nach vier Tagen hieß es Abschied nehmen.
Wir bauten unser Camp ab und machten uns mit unseren Rucksäcken auf den Weg über den Pass in Richtung Veiðileysufjörður, wo uns das Boot zurück nach Ísafjörður bringen sollte.
Obwohl die Tour ihrem Ende entgegen ging, hielt Hornstrandir noch einen letzten besonderen Moment für uns bereit. Während wir am Strand auf das Boot warteten, erschien plötzlich ein weiterer Polarfuchs. Ganz in Ruhe lief er zwischen Tang und Steinen entlang und suchte nach Nahrung.
Dann blieb er plötzlich stehen. Nur wenige Meter vor uns. Er hob den Kopf und begann zu heulen. Etwa eine Minute lang hallte sein Ruf über die stille Bucht. Wir standen einfach nur da und genossen diesen Moment. Keiner sagte ein Wort. Als wäre nichts gewesen, setzte der Fuchs anschließend seine Futtersuche fort und verschwand langsam wieder entlang der Küste.
Es war ein Abschied, wie man ihn sich als Naturfotograf kaum schöner vorstellen kann. Wir verließen Hornstrandir mit Speicherkarten voller Bilder, müden Beinen und dem Gefühl, einen der ursprünglichsten Orte Europas erlebt zu haben.
An dieser Stelle liebe Grüße an Ronny und Rosemarie aus der Schweiz, welche diesen fantastischen Moment zusammen mit uns erlebt haben. Und nochmal danke für den Shuttleservice und die Snacks;)
Für Naturfotografen, Wanderer und alle, die echte Wildnis suchen, ist Hornstrandir ein Ort, den man mindestens einmal im Leben erlebt haben sollte.
Die Begegnungen mit der Polarfuchsfamilie, die beeindruckenden Landschaften und das Leben mitten in der Natur werden uns sicherlich noch lange begleiten.
Und eines steht bereits jetzt fest:
Wir kommen wieder.
Zum Schluss gibt es noch eine kleine Auswahl meiner besten Aufnahmen.
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